Eine Welt, die mehr als sieben Jahrhunderte umfasst
Die künstlerische Gestaltung des Murano-Glas hat seine Wurzeln im Jahr 1291, als durch ein Dekret der Serenissima Republikdorthin wurden die Glasöfen aus Venedig verlegt. Von diesem Moment an, wie im langsamen Entfalten eines Fadens durch die Jahrhunderte, blühte diese Tätigkeit auf und erreichte dank der Entwicklung von Methoden, Techniken und der Zusammenarbeit zwischen Künstlern kreative Höhenflüge. Um das Glas herum entstand vielmehr eine wahrhaftige Welt, einzigartig und unwiederholbar, geprägt von Mühen, von flinken Händen, von Blicken, die vom Feuer der Öfen zum Wasser wandern, das zum Abkühlen des Materials dient, von Geduld und Schnelligkeit in der Ausführung, von Ratschlägen und Redewendungen, die durch die langen Arbeitsstunden der Meister und Gehilfen geprägt wurden, die Tag für Tag Seite an Seite arbeiten.Im Mittelpunkt: Was ist die Partie?
Dieser Magie liegt eine präzise Zusammensetzung von Elementen zugrunde: die Partie, eine sorgfältig abgestimmte Kombination von Substanzen, die dem Glaser – je nach Zusammensetzung hinsichtlich Art und Dosierung der einzelnen Bestandteile – eine nahezu unbegrenzte Palette an Farbmöglichkeiten eröffnet.Das Spiel besteht aus vier grundlegenden Komponenten. Schauen wir sie uns an!
- 1) Quarzsand, der allein bei etwa 1750 Grad schmelzen würde und daher praktisch unmöglich zu handhaben wäre
- 2) La Soda, das eben dazu dient, die Schmelztemperatur zu senken.
- 3) Kalziumkarbonat, ein Stoff, der verwendet wird, um die natürliche mattierende Wirkung von Soda zu verhindern.
- 4) Der Glanzverstärker, in der Regel Antimon, dessen Verwendung eine schnellere Reinigung des Glases ermöglicht, indem kleine Verunreinigungen entfernt werden.
Das Schmelzen im Hochofen – die Magie Schritt für Schritt aus der Innenperspektive
Der Prozess der Glasschmelzen kann als das Herzstück der Tradition von Kunstglas aus Murano, der Ausgangspunkt, von dem alle technischen Spezifikationen ausgehen, auf die wir später noch eingehen werden. Im Laufe der Jahrhunderte unveränderte Verfahren, Neuerungen bei den Instrumenten, wissenschaftliche Terminologie und der lebhafte Jargon der Arbeiter fügen sich zu einem außergewöhnlichen Tanz zusammen, der sich in einer Welt entfaltet, die vor vielen Jahren entstanden ist und sich dennoch bis heute weiterentwickelt.1) Zur Aufnahme der Elementmischung und zur Durchführung des Schmelzvorgangs dienen Metalltiegel unterschiedlicher Größe, die je nach Durchmesser unterschieden werden: Der größte Tiegel wird „Palato“ genannt, die kleineren „Ninfe“ und die noch kleineren „Ninfette“. Ein frisch hergestellter Tiegel kann nicht sofort verwendet werden. Er muss gewissermaßen im Ofen bei allmählich steigender Hitze „eingebrannt“ werden, wodurch er innerhalb einer Woche oder etwas mehr in der Lage ist, Temperaturen von bis zu 1400 Grad zu widerstehen. Ein Ofen kann zudem, je nach Größe und den Anforderungen des Handwerkers, mehr als einen Tiegel aufnehmen. Einen für jede benötigte Farbe.
2) Früher hatte der Vorgang, bei dem der Tiegel auf den Ofenboden abgesetzt wurde, einen eigenen Namen: die „Calada“. Die Vorbereitungsphase auf die Hitze erfolgte nämlich über vier Glassteinen (um den gesamten Tiegel, auch den unteren Teil, thermisch zu belasten), die jedoch nicht wieder schmolzen; daher war es notwendig, einen Haken und eine Hebelstange zu verwenden, um die vier Steine zu verschieben und den Palato langsam zu begleiten, bis er den Ofenboden berührte. Eine Weiterentwicklung dieses heiklen und mühsamen Vorgangs, der angesichts des Gewichts des Tiegels bis zu vier Männer in Anspruch nehmen konnte, war die Einführung von Glassteinen, die allmählich schmelzen konnten, sodass sich der Palato nach und nach selbstständig auf den Boden absenkte.
3) Ein weiterer Arbeitsschritt, der als zusätzliche Schutzmaßnahme für Tiegel dient, die höchsten Temperaturen ausgesetzt sind, ist die sogenannte „Invariatura“, d. h. das Aufbringen von Kristallglas entlang der Innenwände des Tiegels, um eine Glasschicht zum Schutz der Metalloberfläche zu bilden.
4) An diesem Punkt, wenn man für die entscheidende erste Schmelze bereit ist, wird der zu schmelzenden Mischung „Rottura“ hinzugefügt – Ausschussmaterial derselben chemischen Art, das aus früheren Schmelzvorgängen stammt und den Umwandlungsprozess erleichtert, der zu dem gewünschten Ergebnis führt. Ab der zweiten Verschmelzung wird stets ein Restbestand an Abfall, eben diese „Rottura“, im Tiegel – sei es „Palato“, „Ninfa“ oder „Ninfetta“ – aufbewahrt, und es ist nicht mehr notwendig, von außen weiteren hinzuzufügen. Im Wesentlichen ist dies der Prozess, den die Glasmeister befolgen, um aus den verfügbaren Rohstoffen das verarbeitbare Material zu gewinnen. Im Tiegel wird das Glas Tag und Nacht auf Schmelztemperatur gehalten, weshalb es das Aussehen und die Konsistenz einer zähflüssigen und sehr dichten Flüssigkeit hat. Ein Material, das sich meist auf halbem Weg zwischen flüssigem und festem Zustand befindet. Die Handwerker entnehmen es den Tiegeln mit Hilfe spezieller Stäbe, die über ihre gesamte Länge perforiert sind, um ein eventuelles Blasen zu ermöglichen.







